Walter Neubauer
Geigenbaumeister
violins
Tradition
Portrait Foto von Walter Neubauer
Walter Neubauer

Geboren am 12. Juli 1962 in Wien, als Sohn von Geigenbaumeister Gerhard Neubauer ist meine berufliche Laufbahn bereits vorgegeben.

Nach Absolvierung einer 3-jährigen kaufmännischen Schulausbildung, beginne ich 1980 meine Geigenbaulehre in der Werkstätte von Geigenbaumeister Anton Jirowsky III., in Wien.

Meine Gesellenzeit verbringe ich ab 1984 in der Werkstätte meines Vaters Geigenbaumeister Gerhard Neubauer in Wien. 1989 absolviere ich erfolgreich die Geigenbau-Meisterprüfung in Wien.

Danach bin ich bis Juni 1997 als Geschäftsführer im Unternehmen meines Vaters sowohl in der Werkstätte als auch in der Kundenbetreuung tätig.

Seit Juli 1997 habe ich die traditionsreiche Wiener Werkstätte meines Lehrmeisters Geigenbaumeister Anton Jirowsky III., als selbstständiger Geigenbaumeister übernommen.

Die Wiener Zach & Jirowsky Schule seit 1870

Als Schüler und Nachfolger von Anton Jirowsky III., einer seit über 3 Generationen bestehenden Meisterwerkstätte, ist es mir ein besonderes Anliegen die langjährige Tradition der Wiener Zach & Jirowsky Schule weiterzuführen. Im Folgenden würde ich Ihnen gerne die Meister dieser Schulen vorstellen.

Anton Jirowsky III. (1937 - 2000)

Anton Jirowsky III., Sohn von A. Jirowsky II., geboren am 27. August 1937 in Wien war Schüler von Hans Jirowksy und Adolf Stübiger. Er übernahm 1958 die Werkstätte von seiner Mutter, die nach dem Ableben seines Vaters diese mit Adolf Stübiger als Geschäftsführer weiterführte.

1978 übersiedelte er die Werkstätte an die jetzige Adresse, Lothringerstraße 11. Im Geschäft war er bis Mitte 1997 tätig, um dann seinem ehemaligen Schüler Walter Neubauer die Werkstätte zu übergeben. Sein plötzliches und unerwartetes Ableben im Jahr 2000 wird Vielen in Erinnerung bleiben. Seine Schüler: Johann Krumpöck, Peter Tunkowitsch, Walter Neubauer, Fritz Jirowsky.

Seine Instrumente baute er nach Stradivari und Guarneri, oft mit orangebraunen Öllacken versehen. Ungefähr 50 Streichinstrumente wurden von ihm hergestellt, davon mehrere Violen und zwei Celli. Seine Tätigkeiten im Neubau und in der Reparatur, sowie als Sachverständiger von alten Streichinstrumenten wurde von den Kollegen und Kunden im In- und Ausland sehr geschätzt.

Anton Jirowsky II. (1904 - 1951)

Sohn von A. Jirowsky I., geboren am 29. April 1904 in Wien, war als Lehrling und Geselle in der väterlichen Werkstätte tätig. Nach dem Ableben seines Vaters führte er die Werkstätte bis zu seinem eigenen Tode im Jahr 1951 weiter.

Seine Instrumente baute er nach Stradivari und Guarneri Modelle weiterhin von der Zach-Schule beeinflußt, dunkelrote und orange-braune Öllacke. Er baute ca. 30 Violinen und mehrere Gitarren.

Anton Jirowsky I. (1877 - 1941)

Geboren am 5. August 1877 in Wien, ist er der Gründer dieser Werkstätte. Als Schüler von Carl Zach von 1889 bis 1894 trug er die Wiener Zach Schule weiter. Als Geselle war er beim k.u.k. Hofgeigenmacher Karl Haudek von 1898 bis 1903 tätig. Von 1903 bis zu seinem Tode im Jahr 1941 betreibt er die Werkstätte in der Lothringerstraße Nr. 16.

Seine Instrumente baute er vorwiegend nach Stradivari Modellen die meist rötlichbraun lackiert waren und durch eine sehr gute Holzqualität beeindruckten. Die Schnecken wurden von ihm oft Schwarz randriert. Er fertigte auch zahlreiche Gitarren und war als Reparateur geschätzt. Weiters beteiligte er sich an vielen Ausstellungen, wo er mehrere Medaillen erhielt. Er baute ca. 300 Violinen, 20 Violen und 10 Celli.

Carl Zach (1859 - 1918)

Sohn von Thomas Zach, geboren am 30. März 1859 in Budapest. In Wien besuchte er von 1872 bis 1874 das Konservatorium (Hauptfach Violine). Wo er seine Lehre als Geigenbauer absolvierte ist nicht bekannt. Bis 1887 ist er Kompagnon im väterlichen Geschäft und führte dieses ab 1888 auf eigene Rechnung weiter. Das Geschäft hatte anfangs einen sehr guten Ruf und einen ziemlich großen Absatz. Carl Zach besaß den Titel eines königlich griechischen Hoflieferanten und gründete 1897 eine Kommanditgesellschaft die zwei von ihm patentierte Erfindungen verwerten sollte. Jedoch brachten ihn diese Firmengründung zusammen mit seinem aufwendigen Lebensstil im darauffolgenden Jahr um sein gesamtes Vermögen. Nach Aufenthalten in Brüssel im Jahr 1902 und weiteren Europäischen Städten als Bargeiger, ist sein weiterer Lebensweg bis zu seinem Ableben 1918 in London nicht bekannt.

Seine Instrumente baute er vorwiegend nach Stradivari Modellen mit relativ flachen Wölbungen und orangebraunen bis rötlichbraunen Lackierungen. Die Schnecken sind des öfteren Schwarz randriert. Seinen großen Bekanntheitsgrad hat er vor allem seinen geschnitzten Porträt-Schnecken zu verdanken, die man noch heute in der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums Wien bewundern kann.

Im Jahr 1884 verehrte er den Brüdern Hans und Josef Schrammel zwei Violinen, die jeweils mit einem geschnitzen Porträtkopf anstatt der Schnecke versehen waren. 1891 verehrte er auch den Geigern des Grinzinger Quartetts Steher und Reisinger zwei Instrumente. Auf Grund von Bestellungen lieferte Violinen an die Königin Victoria von England, und an den König Georg I. von Griechenland im Jahr 1892. Außerdem, anlässlich der Internationalen Wiener Theater und Musik Ausstellung im selben Jahr, überreichte er Kaiser Franz Josef I von Österreich persönlich eine ihm gewidmete Violine. Dieses Instrument trägt außer dem geschnitzten Kaiserporträt anstelle der Schnecke noch folgende Inschrift an den Zargen: AUS ALLEN SAITEN KLINGT IN ALLE HERZEN DIE MELODIE DIE ALTE. FRANZ JOSEF I. GOTT ERHALTE. Als Erbauer der sogenannten Schrammel-Geigen und der Kaisergeige wird Carl Zach nicht nur in Wien, über Fachkreise hinaus, vielen ein Begriff bleiben.

Da er viele Mitarbeiter beschäftigte, entstanden ab 1896 viele Instrumente in den unterschiedlichsten Qualitäten, die nicht mit seinen eigenen Arbeiten zu vergleichen sind.

Thomas Zach (1812- 1892)

Geboren am 25. Oktober 1812 in Male-Zihany/CSSR, gestorben am 1. Jänner 1892 in Wien. Er ist der Gründer der Wiener Zach Schule, die sich bis in unsere heutige Zeit weiter verfolgen läßt. Anfänglich als Müllergeselle tätig wurde er später Schüler von den Geigenbauern Johann Baptist Dvorak und Anton Sitt in Prag. Anschließend arbeitete er bei Johann Baptist Schweitzer in Budapest und wurde schließlich um 1853 sein Geschäftsnachfolger. Nach 13 Jahren verkauft er die Geigenbauwerkstätte. Er besaß zwischenzeitlich ein eigenes Kaffeehaus, aber kam nach verschiedenen Aufenthaltsorten, unter anderem auch 1866 in Bukarest, um 1870 nach Wien. Im Jahr 1888 übergab er seinem Sohn Carl Zach das Geschäft in Wien auf der Kärntnerstraße Nr. 34, im 1. Bezirk.

Seine Instrumente baute er vorwiegend nach Stradivari und Guarneri Modellen. Seine genaue Arbeit, und die gute Holz-und Lackqualitäten seiner Instrumente verschafften ihm, nicht nur in Wien einen sehr guten Ruf als Geigenbauer. Bei der Weltausstellung 1873 in Wien erhielt er mehrere Medaillen für seine ausgestellten Instrumente. 1889 lieferte er Instrumente an das Symphonieorchester in Boston. Seine Instrumente sind heutzutage im In-und Ausland sehr gefragt und werden sehr geschätzt.